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Baby, Buch und Blog – Interview mit „ganz normale mama“ Nathalie Klüver

Baby, Buch und Blog

Interview mit einer „ganz normalen – und viel beschäftigten – Mama“, Nathalie Klüver

Fotos: © Nathalie Klüver

Nathalie Klüver ist Journalistin, Buchautorin und bloggt auf „Eine ganz normale Mama“ mit viel Herz und Humor über das Kinderhaben. Zu unserem Pinolino blog Start durften wir vergangenes Jahr schon mit der sympathischen Lübeckerin sprechen. Seither ist viel passiert und wir wollten mal nachhorchen, was es so neues gibt und wie sie ihre Söhne auf die Geburt der kleinen Schwester vorbereitet.

Liebe Nathalie, wie schön, dass wir dich wieder interviewen dürfen, es gibt so viele News bei dir. Ihr erwartet in Kürze euer drittes Kind! Und auch ein anderes Baby von dir erblickt gerade das Licht: Dein neues Buch. Erzähl mal ein bisschen, worum geht es in dem Buch?
Mein neues Buch ist diesmal ein Erziehungsratgeber – es geht um das Thema „Zweites Kind“. „Willkommen Geschwisterchen – entspannte Eltern, glückliche Kinder“ heißt das Buch und erscheint diesen Monat, also im Oktober, im Trias Verlag. In dem Buch ist viel von der ganznormalenMama zu finden – denn bei aller Ernsthaftigkeit des Themas geht es mir darum, zu zeigen: Mit Humor geht alles leichter. Seht die Dinge nicht zu verbissen, seid nicht zu perfektionistisch und selbstkritisch, sonst steht Ihr Euch selbst im Weg. Entsprechend undogmatisch und auch mit lustigem Unterton habe ich das Buch geschrieben. Es ist aber nichtsdestotrotz ein Sachbuch, das heißt, der Schwerpunkt liegt natürlich auf vielen Informationen: Wie bereite ich mein großes Kind auf das Baby vor? Welcher Altersabstand hat welche Vor- und Nachteile? Was ist in der ersten Zeit zu viert zu beachten? Wie vermeide ich Eifersucht? Ist es normal, ein Lieblingskind zu haben? Was tun bei Geschwisterstreit? Wie bleiben mein Partner und ich trotz allem Stress noch ein Paar? Es geht auch um ganz praktische Fragen wie: Gemeinsames Kinderzimmer? Gemeinsame Kindergartengruppe? Ich lasse im Buch auch ganz viele andere Mütter zu Wort kommen, so dass man auch unkonventionelle Tipps aus erster Hand hat – und sieht: Hey, ich bin nicht allein mit meiner Situation. Denn, wenn man weiß, dass es anderen genauso geht, dann geht es einem gleich viel besser!

Ihr überlegt noch oder euer Kind erwartet auch ein Geschwisterchen? Nathalie gibt in ihrem Buch viele tolle und praktische Tipps und lässt auch Experten zu Wort kommen.

Ich bin als Einzelkind aufgewachsen und habe mir immer Geschwister gewünscht – zu Recht?
Ich finde ja! Ich habe einen kleinen Bruder und ich bin mir sicher ohne ihn hätte ich viel mehr Langeweile gehabt! Und wenn ich sehe, wie toll meine Jungs miteinander spielen und füreinander einstehen, dann geht mir das Herz auf und ich weiß, dass es richtig ist, mehrere Kinder zu haben. Sie sind ja nur zwei Jahre auseinander und haben immer jemanden zum Spielen, nachmittags, im Urlaub, am Wochenende und wenn sie zusammen auf dem Spielplatz sind, dann ist da immer jemand, der für sie da ist. Das ist einfach toll mit an zu sehen. Ich bin der festen Überzeugung, dass Kinder am besten mit Kindern spielen – es ist nicht die Aufgabe von uns Eltern, der Daueranimateur unserer Kinder zu sein. Den Spielpartner-Part können Geschwister einfach am besten übernehmen. Diese Auffassung teilen übrigens auch Experten, das ist nicht nur mein persönliches Gefühl. Wir Erwachsenen liefern Kindern viel zu sehr fertige Spielideen und Lösungsideen, wenn Kinder mit Kindern spielen, ist das Spiel kreativer und freier. Und ich liebe den Trubel im Haus! Und weil ich das einfach so toll finde und den Gedanken einer Großfamilie mag, haben wir uns noch für ein drittes Kind entschieden, das im November auf die Welt kommt. Achja, um die Frage „Drittes Kind, ja oder nein“ geht es in meinem Buch übrigens auch!

Wegfahren mit Kindern und schwanger? Regelmäßig! Vom Harz bis Finnland ist Nathalie mit ihren Kindern viel unterwegs.

Zoffen sich deine Jungs auch mal? 
Ständig. Es ist aber viel besser geworden. Seit der Kleine sprechen kann, wird er als Spielkamerad akzeptiert. Ich glaube, sie streiten sich im Verhältnis zu anderen Geschwistern noch ziemlich selten. Wobei es mir sehr viel vorkommt… denn es kann richtig nerven! Die Gründe sind für uns Erwachsene auch nicht immer wirklich nachzuvollziehen…
 
Hast du Tipps, wie man Streit zwischen Geschwistern löst?  
Je nachdem, wie alt die Kinder sind, ist es das Beste, erst einmal abzuwarten. Denn oft lösen sich viele Probleme von selbst. Bezeichnenderweise streiten sich Kinder ja meistens erst dann, wenn man als Mutter den Raum betritt, so lange sie alleine sind, ist alles bestens. Weshalb ich mich komplett raushalte, wenn sie zusammenspielen. Einschreiten sollte man dann, wenn es handgreiflich wird – und auch da sollte man abwägen. Ich schreite ein, wenn jemand ernsthaft gefährdet ist. Es gibt bei uns Regeln, an die man sich halten muss. Kneifen, beißen, Haare ziehen und jemanden umschubsen, dass er irgendwo gegen fallen kann, ist nicht erlaubt. Da schreite ich ein. Aber mal ein bisschen knuffen, das lasse ich durchgehen. Sie müssen ja auch lernen, sich durchzusetzen. Klarmachen sollte man auch, dass Petzen nicht geduldet wird. Deshalb sollte man sich auch von beiden Kindern ihre Version anhören, in eigenen Worten zusammenfassen und keine Schuldzuweisungen machen. Dann kann man gemeinsam mit den Kindern nach einer Lösung suchen – sie sind oft überraschend kreativ, was das betrifft. Wichtig ist auch, nicht gleich loszumeckern und den zum Sündenbock zu machen, der grad nicht weint. Denn nicht immer ist die Situation so eindeutig, wie sie auf den ersten Blick scheint!

Der Große ist schon Schulkind! Auf ihrem Blog erzählt Nathalie auch, wie die Einschulung war und wie sie die ersten Schulwochen so erlebt hat.

Du hast ja bereits zwei Söhne. Ich habe gelesen, dass die sich zum Teil ziemlich witzige Namen für ihre kleine Schwester ausgedacht haben. Freuen sie sich? Ahnen sie, was da auf sie zukommt?
XP30 war so ein kreativer Vorschlag! Oder Popcorn. Sie freuen sich sehr und wollen tatsächlich jeden Abend mit dem Baby im Bauch kuscheln. Ich bin überraschend entspannt, das wird sich alles schon einspielen. Und ich denke, dass die Entspannung auf sie abfärbt.
 
Bereitet ihr sie auf die Ankunft der kleinen Schwester vor und falls ja, wie macht ihr das?
Ich erzähle ihnen, was ein Baby kann – oder besser gesagt: nicht kann. Das ist auch wichtig: nicht zu viel zu versprechen. Es kommt halt kein fertiges Kind zum Spielen aus dem Bauch, sondern ein hilfloses Baby, was mit seinem Geschreie auch nerven kann. Wenn wir bei Freunden sind, die Babys haben, lasse ich die Jungs gerne genauer schauen, was so ein Baby an Pflege braucht, damit sie ein Gefühl dafür bekommen. Und so langsam bereite ich sie auch darauf vor, dass ich nach der Geburt im Krankenhaus bleiben muss, damit sie sich darauf einstellen können. 

Bald ist es soweit. Nathalies drittes Baby kommt zur Welt. Nach zwei Jungs freut sich die Lübeckerin diesmal auf ein Mädchen.

Hast du Tipps, ab wann kleine Kinder das Thema „Ein Baby kommt“ verstehen und wie man es den Kindern erklärt, wenn sie unterschiedlich alt sind? Deine Jungs sind jetzt ein Kindergartenkind und ein Schulkind. Gab es da Unterschiede beim Erklären?
Bisher stellen sie beide dieselben Fragen! Ich merke aber, dass sie jetzt andere Dinge wissen wollen. Als mein Kleiner auf die Welt kam, war der Große zwei und wollte gar nichts Biologisches wissen. Diesmal kommen auch vom Kleinen, der kurz vorm Stichtag vier wird, Fragen dazu, wie das Baby aus dem Bauch rauskommt und wie es da reingekommen ist. Sie finden es auch superspannend, sich auf einer App Bilder anzuschauen, wie das Baby jetzt aussieht und was es schon kann und vor allem, wie groß es ist. So beziehe ich sie auch mit ein. Und was das Aufklären betrifft: Erstmal nicht zu viel erzählen. Zu viele Details verwirren die Kinder. Sie sind oft überraschend pragmatisch. Mama und Papa haben gekuschelt, logisch und dann ist da ein Baby im Bauch. Das reicht zumindest für Kindergartenkinder oft als Erklärung. Mehr muss man dann erst auf Nachfragen erzählen. Und bloß nicht erzählen, wie doll eine Geburt schmerzt. Sonst wird das auf das Baby geschoben – es ist schuld an den Schmerzen. Kinder müssen ja nicht alles wissen. Ich habe gesagt: Das Baby tritt mich ganz doll, wenn es bereit ist, auf die Welt zu kommen und dann fahren wir ins Krankenhaus, damit das Baby gleich nach der Geburt untersucht werden kann. Und dass das Baby aus einer Öffnung zwischen den Beinen kommt (also meistens zumindest) ist irgendwie auch logisch, wo sollte es denn sonst rauskommen. Kinder sind wirklich überraschend praktisch in ihren Gedankengängen!

„Ich mache alles gut genug. Ich muss nicht immer die Beste sein.“Nathalie Klüver

Dein Job als freie Journalistin, der Blog, Buchprojekte und bald drei Kinder – verrätst du mir zum Schluss noch kurz, was dein Geheimnis ist? Wie bekommst du das alles unter einen Hut?
Ich mache immer alles nacheinander und alles macht mir Freude. Vormittags arbeite ich und habe damit auch Zeit für mich. Nachmittags bin ich für die Kinder da. Die sind grad überraschend pflegeleicht, was es mir leichter macht. Manchmal kann ich nachmittags sogar eine Zeitschrift lesen! Das hätte ich noch vor einem Jahr auch nicht gedacht. Dadurch, dass ich nur eine eingeschränkte Arbeitszeit habe, weil ich dann in die Schule oder den Kindergarten muss, arbeite ich sehr effektiv. Naja, meistens jedenfalls. Und ich bin nicht besonders selbstkritisch. Ich bin halt nicht perfekt und ich kann auch nicht alles perfekt machen. Ich mache es alles gut genug. Ich muss nicht immer die Beste sein. Das hilft mir, gelassener zu sein. Klappt natürlich nicht immer – denn ich bin auch nicht perfekt im Nicht-Perfekt-Sein. Aber das ist auch okay. Natürlich gibt es auch Tage, wo mir alles über den Kopf wächst und ich ein ziemlich unausstehlicher Mensch bin! Was als erstes darunter leidet, wenn ich Stress habe, ist der Haushalt. Man muss halt Prioritäten setzen und der Haushalt kommt bei mir einfach nicht an erster Stelle! Darüber, wie man als Mutter kein Burnout bekommt und mit Stress besser klarkommt, habe ich übrigens auch grad ein Buch geschrieben. Es wird im Frühjahr erscheinen. Da wird es auch darum gehen, dass wir Mütter aufhören müssen damit, uns selbst unter Druck zu setzen – und uns nicht mehr von anderen unter Druck setzen lassen. Niemand ist perfekt, deshalb sollten wir aufhören, versuchen so zu sein. Das macht das Leben wirklich leichter.

Liebe Nathalie, danke für das tolle Interview und deine Tipps. Wir freuen uns schon auf dein neues Buch!

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