Wochenbett, start ins leben

Das Wochenbett – so kann der Start gelingen

Das Wochenbett – so kann der Start gelingen!

Wochenbett

Die ersten Wochen nach der Geburt erlebt man wie in einer Art Nebel und hat wirklich noch viel mit sich, seinem Körper und den neuen Umständen zu kämpfen. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie wir mit unserer Kleinen nach drei Tagen aus dem Krankenhaus nach Hause gefahren sind….kleines großes Glück… aber müde, so voller Hormone und ein wenig aufgedreht – vor allem, weil sich der große Bruder so freute, der mit Oma zu Hause schon sehnsüchtig auf uns wartete.

Auf dem Weg zum Haus haben wir Nachbarn getroffen, die uns beglückwünschten und uns eine tolle erste Kennenlernzeit wünschten. Als wir ankamen, war die Freude riesig! Doch trotzdem war ich fix und fertig. So müde, dass ich mich erstmal für ein Nickerchen aufs Sofa gelegt habe. (Mein Mann übrigens auch…gut, dass es die Oma gibt ;-))

„Das zweite Mal Wochenbett – und doch ist alles neu, alles aufregend!“Christina

Das 2. Mal Wochenbett und trotzdem alles neu und anders: 2. Kind, 2. Glück, 2. Wochenbett…und wieder soooooo viele Geschenke und Glückwünsche von Freunden, Familie, Nachbarn und Bekannten…
Im Nachhinein denke ich: Das hätte ich eigentlich noch mehr genießen müssen, weil diese Zeit voraussichtlich nie wiederkommen wird. Vor allem hätte ich noch weniger „immer irgendetwas machen müssen“, nicht unbedingt eine Tarte mit eigenem Mürbeteig für Gäste backen wollen, nicht den Mammutspaziergang am ersten Tag nach der Geburt machen, usw. – Ehrgeiz und Perfektionismus runterfahren und einfach mal genießen – diese schöne erste Familienzeit, die so nie wiederkommt!
Daher mein ganz persönlicher Rat an dieser Stelle: Überstürzt es nicht in den ersten Tagen, genießt die Anfangszeit, das Kuscheln, die Nestwärme, das Stillen, und ja, das Kennenlernen. Wir haben den nächsten Tag schön zu viert im Bett verbracht – das darf auch mal sein und es hat so gut getan! Lasst es uns langsam angehen oder eben so, wie ihr euch wohl dabei fühlt!


Hebamme und Mutter Anna Hottinger gibt Tipps, wie der Start zu Hause gelingen kann:

Liebe Anna, was brauchen Familien gerade zu Beginn der ersten Tage und Wochen mit Baby?
Wirklich wichtig ist RUHE. Für das Wochenbett, also die Heilung und Rückbildung der Frau, sowie dem Baby sollten Mutter und Vater versuchen, nicht hektisch zu werden. Sondern lieber einmal durchatmen und es ruhig angehen lassen. Toll ist es auch, wenn man im Vorfeld seine Familie und Freunde etwas einspannt, vielleicht mal ein warmes Essen vorbeizubringen und nicht nur Geschenke fürs Baby.

Gibt es Dinge, die einem den Start erleichtern oder Sachen, die die erste Zeit etwas leichter machen?
Neben der Erstausstattung gibt es einige Dinge. Wichtig hier finde ich eine Nachsorgehebamme. Diese gibt vielen Frauen Sicherheit und Vertrauen und die Krankenkasse übernimmt die Kosten in allen Fällen. Um eine Hebamme muss man sich in den meisten Städten allerdings sehr früh kümmern.
Des Weiteren empfehle ich, immer eine Packung Babynahrung, also Pulvermilch, im Haus zu haben, falls das Stillen mal nicht klappt oder sich ausgerechnet am Wochenende abends eine Brustentzündung ankündigt etc. Auch hier kann die Hebamme helfen, die passende Milch unter dem heutigen Überangebot am Markt zu finden.
Dann finde ich, dass eine Mutter die Zeit im Krankenhaus gut nutzen sollte, um mit einem guten Gefühl nach Hause zu gehen. All ihre Fragen kann sie bei den Schwestern auf der Station loswerden. Kleiner Tipp an dieser Stelle: Der Arbeitsalltag im Krankenhaus kann sehr hektisch sein, falls die Möglichkeit besteht, lohnt es sich auf die Nachtschicht zu warten, die Schwestern sind oft ruhiger und haben etwas mehr Zeit. Fragen, die sich zu Hause im Alltag ergeben, sollte man für den nächsten Besuch der Hebamme aufschreiben. Man vergisst gerade zu Beginn so vieles. Wenn Mütter stillen, empfehle ich auch gerne mal vorbeugend einen halben Weißkohl und Quark zu Hause zu haben. Bei einer Brustentzündung kann dieser sehr viel Gutes tun.

Als wir nach knapp zwei Tagen zu Hause den ersten gemeinsamen Stadtbummel machten, kam mir die Welt plötzlich unglaublich laut vor. Geht das vielen Müttern so?
Ja! Sehr vielen Schwangeren und Müttern kommt die Welt auf einmal unglaublich laut vor. Musik, Radio etc. wird auch mal leise gemacht. Doch dem Baby ist dies zum größten Teil egal. Schon in der Schwangerschaft sind Babys an eine unglaubliche Lautstärke im Bauch gewöhnt. Diese kommt vom Magen und Darm der Mutter sowie vom Herzen. Viele Babys schlafen sogar etwas besser, wenn sie Geräusche um sich haben. Also muss man sich nicht Sorgen, wenn am Kinderwagen, mit dem zwei Wochen alten Baby, ein Krankenwagen vorbei fährt. Das ist ok und alles im gesunden Rahmen.

Das Wochenbett dauert sechs bis acht Wochen – was passiert in dieser Zeit mit dem Kind, der Mutter und ihrem Körper?
Das Wochenbett zu beschreiben bzw. was genau alles in dieser Zeit passiert, ist sehr komplex. Kurz: Das Baby kommt erst mal auf dieser Welt an. Es gewöhnt sich langsam an andere Geräusche als die im Bauch. Es lernt trinken und nimmt Schatten wahr – das Sehen funktioniert noch nicht richtig. Babys reagieren auf Reize. Bei Müttern ist es für den Körper eine Heilungs- und Rückbildungsphase, die enorm wichtig ist. Und auch ein Kennenlernen mit dem Baby. Eine Umstellung für alle, auch für den Papa. Alle müssen langsam in die neue Situation finden.
Wichtig ist, dass die Mütter in der Zeit keinen Sport machen! Das könnte die Heilung massiv behindern und wäre für einen gedehnten Beckenboden nicht gut. Gegebenenfalls könnte man mit seiner Nachsorgehebamme gezielte Übungen machen.
Diese Zeit ist erst mal dem Ankommen, Kennenlernen, sich in die Rolle einfinden und Heilen gewidmet. Der Körper von Mutter und Kind betreibt Höchstarbeit. Doch die Mütter haben oft viele viele Glückshormone, so dass Ihnen der Alltag erstaunlich gut gelingt nach dem Wunder der Geburt.

Danke, Anna, für diese wertvollen Tipps aus Hebammen- und Muttersicht!

Fotocredit: Bild © Fotolia


Mehr lesen