ratschlaege in der schwangerschaft

Über ungewollte Schwangerschaftsberater

Hebamme, App, Forum & Co

Eine Glosse über die ungewollten Schwangerschaftsberater

Foto: © Kalim/Fotolia

Jede Schwangere kennt sie, die gut gemeinten und oft auch hilfreichen Tipps. Was Schwangere aber auch kennen, sind die vielen ungewollten Schwangerschaftsberater, die einem das Essen madig machen, mit wenig machbaren Tipps aufwarten und einen nur mehr verunsichern.

Liebe Freundin, Hebamme, App, Forum und unbekannte Frau da draußen,

vielen Dank für die vielen, vielen hilfreichen Tipps während meiner Schwangerschaft. Selten habe ich mich so unterstützt hilflos und verstanden verunsichert gefühlt wie in diesen neun Monaten. Nie vergessen werde ich deinen fürsorglichen Rat in Form eines spitzen Aufschreis, als ich bei einem abendlichen Picknick nach einem Stückchen Käse griff: „Willst du den wirklich essen? Das ist Schimmelkäse!“. Der besagte „Schimmelkäse“ war vollkommen durchpasteurisiert und in einer eingeschweißten Verpackung. Aber gut, danke für den Hinweis. Fortan strich ich ihn aus meiner Ernährung.
Ist ja nicht so, dass man aufgrund diverser Bücher und neuerdings Apps nicht eh schon einen Berg an Ratschlägen hätte. Stand in dem einen Buch, ich solle gegen die Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft ein Salzbad nehmen, wurde andernorts völlig davon abgeraten – heiße Badewanne ja schon mal gar nicht – und meine Hebamme wiederum sagte, ich solle das doch besser nicht machen.
Und liebe Käseverkäuferin vom Wochenmarkt (ihr seht, der Käse hat es mir angetan), ich weiß ihren Rat zu schätzen, mich aber in der 37. Schwangerschaftswoche vor allen anderen Kunden runterzuputzen, weil ich aus Versehen doch den Scharfen Seppli (Rohmilchkäse) gegessen habe, ist nicht hilfreich.
Ich muss ja, laut selbst ernannten nicht schwangeren Schwangerschaftsexperten eh schon ständig auf die Toilette, darf dies, das und jenes nicht essen, dürfe doch aber bestimmt zum Ankurbeln des Kreislaufs ein Gläschen Sekt trinken und überhaupt wäre es doch gut, auch mal die Beine hochzulegen und vorzuschlafen, denn das könne man ja nun wirklich nicht mehr, sobald das Kind erst mal da sei. Mal im Ernst, vorschlafen – habt ihr das mal selbst versucht? Vor einer Party oder Silvester beispielsweise? Das Ergebnis? Entweder, man wälzt sich von einer Seite auf die andere und kann nicht schlafen, weil man nicht müde ist. Oder man ist müde und schläft und geht dann auf die Party und feiert und ist am nächsten Tag, na? Was? Genau: Müde.
Klar gibt es auch sinnvolle Tipps, wie etwa den eines Arbeitskollegen, alle Unterlagen für das Elterngeld schon vor der Geburt zusammenzustellen, damit man das nicht im Wochenbett erledigen muss. Alles dazu lest ihr übrigens in unserer Antragshilfe.

Wer nun denkt, die Geschichte endet hier – falsch gedacht. Auch wenn die Kinder auf der Welt sind, geben auch und vor allem gerne kinderlose Erziehungsexperten ungefragt Auskunft darüber, wie man mit seinem Baby in bestimmten Situationen zu verfahren hat. Kleiner Vorgeschmack? Unser Baby war gerade mal knapp sechs Monate alt. Ein Waschmaschineninstallateur tauschte den Dichtungsring unserer Maschine aus. Das Babymädchen weinte, weil ich sie kurz allein in ihrem Laufstall gelassen hatte, um dem Herrn etwas zu zeigen. Ich nahm sie aber schnell wieder raus, um sie zu trösten. Ich mag nicht, wenn das Kind weint. Erst recht nicht, wenn es nicht versteht, warum Mama gerade weggehen musste. Und was sagt der ältere Herr in patzigem Ton: „Na, haste deinen Willen bekommen?“. Trinkgeld für die freundliche Montage? Fehlanzeige.