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Guter Babyschlaf – mit Ritualen!

Guter Babyschlaf – mit den richtigen Ritualen!

Plus: Interview mit Schlafmedizinerin Dr. Barbara Schneider

Foto: © Catharina König

Einschlafen oder Durchschlafen. Kaum etwas wird unter jungen Eltern so viel diskutiert, wie der Schlaf der Kleinen. Wir haben Kinderärztin und Schlafmedizinerin Dr. Barbara Schneider gefragt, wie Babys abends zur Ruhe kommen und gut einschlafen.

Ein aufregender Tag geht zu Ende. Logisch, dass den Kleinen da zum Heulen zumute ist. Gerade jetzt wo man doch erst richtig in Fahrt kommt heißt es auf einmal Licht aus und Gute Nacht? „Ein abrupter Szenenwechsel kann Kinder sehr nervös machen. Üben Sie daher abendliche Rituale aus. So bereitet man Kinder langsam auf die anstehende Nacht vor“, erklärt die Kinderärztin und Schlafmedizinerin Dr. Barbara Schneider. In ihrer Sprechstunde berät sie Eltern, die dem täglichen Schreimarathon vorm Zubettgehen endlich ein Ende setzen möchten. Aber wie nur?
„Wenn Eltern nach Rat und Hilfe suchen, haben sie den wichtigsten Schritt schon getan. Sie haben erkannt, dass sie Unterstützung brauchen und nicht alleine weiter kämpfen wollen. Als erstes nehme ich ihnen die Sorge, dass sie irgendetwas nicht gut machen und versichere ihnen, dass sie weitaus nicht die Einzigen sind, bei denen das Thema „Schlaf“ ein Problem ist. „Schwierigkeiten mit dem Schlaf sind häufig, doch aufgrund der eigenen Übermüdung kommt man irgendwann an seine Belastungsgrenze“, so Dr. Schneider. Auch mein Sohn Maximilian, 5 Monate alt, ist weit entfernt davon durchzuschlafen. Im Gegenteil: Alle 1-2 Stunden hat er entweder Hunger, will den Schnuller zurück oder einfach nur mit mir kuscheln. Ob es mit der Abendbrei-Einführung besser wird und wann ich jemals wieder eine erholsame Nacht erleben darf, verrät uns die Oberärztin (für Neuropädiatrie und Schlafmedizin des Kinderkrankenhauses St. Marien in Landshut) im folgenden Interview genauer.

Interview mit der Schlafmedizinerin Dr. Barbara Schneider

Ab wann sprechen wir bei einem Baby tatsächlich davon, dass es durchgeschlafen hat? Und ist es noch „normal“ wenn mein Baby ca. alle 2 Stunden nachts aufwacht?
Eigentlich schläft kein Mensch wirklich „durch“, auch die Erwachsenen nicht. Der Schlaf hat einen zyklischen Aufbau. Nach dem Einschlafen kommt nach wenigen Minuten leichtem Schlaf der Tiefschlaf, dem sich der Traumschlaf anschließt. So eine Runde nennt man Schlafperiode, sie dauert beim Erwachsenen ca. 90 Minuten und bei Säuglingen ca. 45 Minuten. Nach einer Periode folgt eine kurze Wachphase. Das System ist eine bewährte Methode, um das Überleben in der Natur zu sichern. Die kurze Wachphase dient dazu, mögliche Gefahren (z.B. Unterkühlung) zu erkennen. Wenn alles in Ordnung ist, schläft man rasch wieder ein und vergisst, dass man überhaupt wach war. Wenn also eine Nacht ohne Gefahren ist, schläft man bei allen 5 Schlafperioden schnell wieder ein und hat den Eindruck, dass man durchgeschlafen hat. Bei Säuglingen ist der Rhythmusgeber, am Tag und in der Nacht, der relativ kleine Magen, der regelmäßig wieder gefüllt werden möchte. So kommt es zu einem Wechsel zwischen Schlafen und Essen z.B. im 2-3 Stunden Rhythmus.

Abgesehen von unruhigen Krankheitstagen: Kann man ungefähr sagen ab wann ein Baby besser durchschläft und hilft dabei tatsächlich der Abendbrei?
Erst wenn die Säuglinge etwas älter sind, werden die Abstände zwischen den Mahlzeiten größer. Ungefähr ab dem 6. Lebensmonat können längere Schlafphasen nachts ohne Nahrungsaufnahme gemeistert werden. Hier hängt das Durchschlafgefühl aber stark von der Familienstruktur ab. Wenn die letzte Fütterrunde z.B. um Mitternacht ist und die nächste Mahlzeit um 6 Uhr morgens, ist das für Eltern, die eher spät ins Bett gehen super, für Eltern die selber schon früher schlafen, weiterhin anstrengend. Kinder die gestillt werden, behalten die nächtlichen Essenszeiten häufig etwas länger bei. Das ist etwas ganz normales. Auch hier sollte man darauf achten, ob es eine Belastung darstellt. Ein Brei dauert länger bei der Verdauung und hält entsprechend länger satt. Aus diesem Grund ist es tatsächlich manchmal hilfreich den Abendbrei einzuführen.

Haben Sie einen Tipp für uns Eltern, die nachts nach dem Füttern oder Trösten selbst nicht wieder in den Schlaf finden?
Nachts selber wieder zur Ruhe zu kommen, ist oft nicht so einfach, da man innerlich in „Hab-Acht-Stellung“ bleibt und mit einem Ohr hört, ob das Kind gleich wieder schreit. Je angespannter die Situation insgesamt ist, desto schwerer kann einem das fallen. Klingt paradox, schließlich ist man manchmal so müde, dass man schon im Stehen einschlafen könnte und dann klappt der Schlaf nicht, wenn man im Bett liegt. Wenn man sich dann auch noch drüber ärgert, geht gar nichts mehr. Der Schlaf kommt nur dann, wenn wir entspannt genug sind und uns sicher fühlen. Das ist auch ein Teil unserer uralten Überlebensstrategie: es wäre schließlich ungünstig einzuschlafen, wenn Gefahr droht. Das Signal an den Körper, dass gleich was passieren könnte, ist die Anspannung (und da ist es ganz gleichgültig, woher diese kommt). Entspannungs- oder z.B. Yoga-Übungen am Tag können helfen auch nachts besser loszulassen.
Das „gemeine“ am Schlaf von Säuglingen ist, dass eine Unterbrechung seines Schlafes kein Problem darstellt, für den Erwachsenen hingegen schon.

Foto: © Catharina König

Gleiche Zubettgeh-Zeiten und Essenszeiten bei etwas älteren Säuglingen und Kleinkindern können gut unterstützen.
Frau Dr. Schneider

Manche Babys scheinen tagsüber nur Powernaps zu halten. Reichen diese kurzen Schlafperioden tatsächlich aus? Kann ich diese beeinflussen?
Bei dem Gedanken, ob das Baby ausreichend schläft, muss man immer 24 Stunden im Blick haben und alle kleinen Schlafrunden zusammenzählen. Wenn man aber tatsächlich den Eindruck hat, das Baby schläft zu wenig, sollte man das mit seinem Kinderarzt besprechen. Der Mensch, egal wie jung oder alt, lebt aber nicht nur nach seiner inneren Uhr, sondern wird stark von äußeren Taktgebern beeinflusst. Hier ist das Licht unser Rhythmusgeber. Man sollte auch schon bei Säuglingen einen Unterschied zwischen Tag und Nacht einführen und nachts beim Füttern und Wickeln weniger helles Licht anmachen. Dies hilft, langfristig einen guten Rhythmus zu etablieren. Zudem reagieren wir auch auf einen Außenrhythmus. Gleiche Zubettgeh-Zeiten und Essenszeiten bei etwas älteren Säuglingen und Kleinkindern können gut unterstützen.

…sowie bestimmte Rituale. Welche schlagen Sie vorm Zubettgehen vor?
Rituale helfen den Kleinen zu erkennen, was jetzt gerade dran ist. Für die Zeit haben sie noch kein Gefühl; auf die Uhr sehen können sie nicht und so kommt die Schlafenszeit für manchen zu überraschend. Hilfreich ist, die Zeit zwischen Abendessen und Zubettgehen ungefähr immer gleich zu gestalten. Also z.B. Zähne putzen, etwas vorlesen oder singen und dann zu Bett bringen. Rituale sollten nicht zu lange dauern. Wenn der Ablauf immer gleich ist, bringt das die Sicherheit, dass nicht noch was Spannendes passieren könnte. Sicherheit ist eine wichtige Voraussetzung zum Einschlafen. Deshalb sollten die Geschichten nicht zu aufregend sein und die Lieder nicht mehr „hochpushen“.

Gibt es eine ideale Uhrzeit, um das Baby ins Bett zu legen?
Den idealen Schlafzeitpunkt muss man individuell herausfinden. Er hängt stark von den Gewohnheiten der Familie ab und auch, wann der Tag wieder beginnen soll. Vom Tagesrhythmus (circadianer Rhythmus) hat man zwischen 19 Uhr und 20 Uhr einen Tiefpunkt. Hier fällt das Einschlafen in der Regel leichter. Aber jeder Mensch hat da auch ganz individuelle Vorlieben – so gibt es die Lerchen und die Eulen unter uns.

Wie wichtig ist es für das Baby, sein eigenes Bett zu besitzen?
Kinder sollten in ihrem eigenen Bett schlafen, das so gestaltet sein soll, dass sie sich auch darin wohl fühlen. Bei Säuglingen ist eine sichere Schlafumgebung besonders wichtig, um die Risiken für den plötzlichen Kindstod so gering wie möglich zu halten.

Was halten Sie von der sogenannten Schreimethode aus dem Buch „Jedes Kind kann schlafen lernen“ von Annette Kast-Zahn oder der sogenannten Ferber-Methode? In dem Buch „Schlafen statt Schreien“ wiederum plädiert Autorin Elisabeth Pantley für genau das Gegenteil. Sie ist der Meinung Babys schreien zu lassen, könnte sie für immer traumatisieren. Was stimmt denn nun?
Manchmal ist eine Situation schon sehr verfahren, das Kind schreit statt zu schlafen -egal was man tut. Hier höre ich oft abenteuerliche Geschichten, was sich kreative Eltern so alles überlegt haben, um das Kind zur Ruhe zu bringen. Meistens haben sie auch schon viele Ratgeber gelesen und sind überfragt, da sich die Tipps häufig widersprechen. Der Nachteil von Ratgebern ist, dass sie nicht die individuelle Situation im Blick haben können und relativ allgemeine Vorschläge machen. Das passt für manche, für andere aber wieder nicht. Leider spricht man damit den Eltern auch ihre Kompetenz ab. Meist haben sie ein gutes Gefühl für ihr Kind, trauen sich das aber gar nicht umzusetzen, weil es im Ratgeber anders geschrieben steht.
Grundsätzlich ist es richtig, das selbstständige Einschlafen im eigenen Bett zu fördern. Das muss der kleine Mensch auch erst mal lernen und braucht dazu die Unterstützung der Erwachsenen. Wichtig dabei ist, die Situation so entspannt und sicher zu gestalten, dass der Schlaf auch gerne kommt.

Manche Babys lassen sich partout nicht ablegen ohne sofort wieder hellwach zu werden. Wie kann man diese Angewohnheit durchbrechen?
Viele Einschlafhilfen (der Arm der Mutter, die Brust oder Flasche) helfen zwar beim Einschlafen, werden aber in der kurzen Wachphase nach einer Schlafperiode schmerzlich vermisst und lautstark wieder eingefordert. Und das ist anstrengend. Wach ins Bett gelegt werden und im eigenen Bett ohne viele Hilfsmittel einschlafen -das könnte der Schlüssel für das „Durchschlafen“ sein.

Verraten Sie uns noch Ihren ganz persönlichen Tipp, damit Babys UND Eltern wieder besser schlafen?
Die erste Zeit mit einem Baby ist anstrengend – keine Frage. Man muss erst zueinander und einen guten Rhythmus finden. Das ist ganz normal und auch ein dynamischer Prozess. Ein durchbrechender Zahn oder ein zwickender Bauch können die ganze Familie beschäftigen und alles wieder durcheinander bringen. Der Schlaf hat sehr viel mit Entspannung zu tun. Wenn man selbst nicht viel geschlafen hat, ist man nicht entspannt und das merkt auch das Kind. Häufig reagiert es mit Unruhe auf die Unruhe der Eltern. Deshalb ist es nicht egoistisch, gut auf einen ausreichenden eigenen Schlaf zu achten. Nur dann kann man auch eine gute Unterstützung für sein Kind sein. Sprich: Man sollte sich Auszeiten gönnen – es ist nicht egoistisch, wenn ein Kindermädchen oder die Oma einmal aufpasst und man sich ins Bett legt, um den fehlenden Schlaf nachzuholen. Zum Schluss möchte ich noch auf zwei Sachen hinweisen: Es gibt durchaus auch organische Ursachen für einen unruhigen Säugling. Deshalb sollte man das auch beim Kinderarzt ansprechen und mögliche Ursachen ausschließen lassen. Und wenn man merkt, man stößt an seine Grenzen, ist es sehr gut, sich rasch Hilfe und Unterstützung zu suchen. Gibt es keine Möglichkeiten im eigenen Umfeld, so lassen sich zur Unterstützung auch Hilfen von außen organisieren.

Soviel zur Theorie von der Expertin. Wie es in der Praxis im ersten Jahr mit dem Babyschlaf aussieht, berichtet Catharina übrigens in diesem Beitrag: Die Sache mit dem Durchschlafen

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Foto: © Pinolino Kinderträume

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