Roadtrip in der Schwangerschaft

Masterarbeit und Roadtrip in der Schwangerschaft!

Die Studenten Laura und Tobi erzählen

Laura, die kleine Marla und Tobias. (Foto: © Laura und Tobi)

Mit Schwangerschaftsübelkeit und bei brütenden Sommertemperaturen eine Masterarbeit schreiben und im 6. Monat mit einem Camper durch die unberührte Natur Norwegens reisen – das klingt nach einer echten Herausforderung, aber auch nach einer super aufregenden Zeit! Die beiden Studenten Laura und Tobi aus München haben uns erzählt, was sie dabei alles Spannendes erlebt haben.

Schwanger im Studium

Liebe Laura und lieber Tobi, ihr seid Eltern von der kleinen Marla. Erzählt uns doch kurz einmal ein bisschen über euch.
Hallo liebe Leser,

ich heiße Laura und bin 25 Jahre alt. Zu Beginn der Schwangerschaft war ich noch 24 und gerade im letzten Semester meines Masterstudienganges „Film und Medienkulturforschung“ an der LMU München. Mein Freund heißt Tobi, ist ebenfalls 25 Jahre alt und schreibt gerade seine Masterarbeit in seinem Studiengang „strategic management“ an der Uni Innsbruck. Bis kurz vor der Geburt lebten wir dort in einer gemeinsamen Wohnung. Unsere gemeinsamen Hobbys sind Skifahren, Wandern, Reisen, Klettern und die Natur genießen. Außerdem spielen wir beide gerne Instrumente. Jetzt wohnen wir mit unserer kleinen Tochter Marla (inzwischen 2 Monate alt) in Giesing in München.

Laura, du hattest ja ein aufregendes erstes Schwangerschaftstrimester, mit Umzug von Innsbruck nach München und Masterarbeit schreiben. Wie hast du diese Zeit erlebt und wie ging es dir?
Ich bin erst im letzten Monat vor der Geburt, also im dritten Trimester umgezogen. Meine Masterarbeit musste ich allerdings genau in den ersten drei Monaten schreiben. Mir war jeden Tag, schon ab dem Aufstehen, furchtbar schlecht. Ich konnte nichts außer Cola und Cracker zu mir nehmen und ekelte mich so ziemlich vor allen Lebensmitteln, samt ihren Gerüchen. Zudem war ich müde, unmotiviert und ideenlos. Außerdem war es Juli und brütend heiß in unserer Dachgeschosswohnung in Innsbruck. Das sind nicht die besten Voraussetzungen, um eine Masterarbeit zu schreiben.

Einen gesamten Monat konnte ich deswegen nicht schreiben. Ich schaffte es einfach nicht, mich an den PC zu setzen. Und wenn ich mich dazu zwang, so hörte ich nach 5 Minuten deprimiert auf. Erst als die Übelkeit, so um die 12. Woche schlagartig aufhörte, fing ich an zu schreiben und hatte einiges nachzuholen. Ich hätte von der Uni aus locker eine Verlängerung beantragen können, allerdings wäre dann unser letzter Urlaub ohne Baby flachgefallen. Mit Tagen und Nächten im kühlen Keller, überhaupt keinem Sozialleben und lieben Korrekturlesern, schaffte ich es, meine Masterarbeit fristgerecht und erfolgreich abzugeben.

Haben Tobi, deine Freunde und Familie dich in dieser Zeit besonders unterstützt?
Ganz am Anfang behielten wir die Schwangerschaft für uns. Die ersten drei Monate soll man ja mit dem Verkünden der Botschaft vorsichtig sein. Deswegen fiel in dieser Zeit der größte Teil auf den Tobi ab. Sobald ich meine Eltern und Schwiegereltern einweihte, wurde ich auch von Ihnen tatkräftig unterstützt. Wir flohen aus der heißen Wohnung in Innsbruck zu Tobis Eltern aufs Land. Meine Mama und Tobi lasen meine gesamte Arbeit Korrektur. Das war mir eine sehr große Hilfe!

In den ersten drei Schwangerschaftsmonaten gab es viel Unterstützung von Tobi. (Foto: © Laura und Tobi)

Wie war es an der Uni? Kanntest/kennst du andere schwangere Studenten mit denen du dich austauschen konntest? Und wie ist dein Professor mit der Schwangerschaft umgegangen?
Ich kannte leider keine anderen schwangeren Studenten an meiner Uni. In meinem Studiengang war ich die Einzige. Ich hätte mich gerne mit anderen ausgetauscht. Ich bekam von meinen Kommilitonen nur Zuspruch und alle waren stolz auf mich, dass ich trotz Schwangerschaft die Masterarbeit ohne Verlängerung durchgezogen habe. Das war ein schönes Gefühl! Mein Professor hat selbst Kinder und das merkte ich sofort. Er bat mir auch an, die Frist für die Masterarbeit zu verlängern (siehe Frage 2). Einfluss auf die Notengebung hatte meine Schwangerschaft selbstverständlich nicht, trotzdem bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Hast du irgendwelche besonderen Tipps für Mädels, die ein Baby erwarten und gerade mitten im Studium sind?
Nicht stressen lassen. Die Kommilitonen freuen sich und die Professoren sind meist verständnisvoll. An meiner Uni, der LMU gibt es auch eine Beratungsstelle für Studierende mit Kind. Außerdem hat man als Schwangere an der LMU kleine Vorteile, wie zum Beispiel keine Wartezeiten in der Studentenkanzlei.

Der Roadtrip durch Norwegen

Das erste Trimester war ja schon richtig aufregend, aber das zweite nicht weniger. Ihr habt einen einmonatigen Roadtrip mit dem Camper durch Norwegen unternommen! Habt ihr das lange im Voraus geplant oder war das eine spontane Entscheidung?
Sehr spontan! Wir wollten Tobis Großeltern in der Nähe von Kiel besuchen. Dann dachten wir uns, wenn wir eh schon so weit in den Norden fahren, so können wir auch gleich nach Norwegen weiter. Außerdem schien uns das kühle Klima und die vielen Wanderruten für eine Schwangerschaft sehr passend. Mit dem ausgebauten Ford Transit sind wir unabhängig und flexibel. Wir hatten grob ein paar Fixpunkte an denen wir uns orientieren. Wenn es uns an einem Ort gefiel blieben wir dort länger und wir planten jeden Tag spontan, je nach Wetter und Laune, wie es weiter ging. Dadurch war es leider unmöglich, alles zu besuchen, was wir uns ursprünglich vornahmen. Generell sind vier Wochen viel zu kurz, um ganz Norwegen zu erforschen.

Mitten in der unberührten Natur Norwegens. (Foto: © Laura und Tobi)

Was habt ihr während dieser Zeit alles erlebt?
Das ist unmöglich in ein paar Sätzen unterzubringen aber ich versuche es trotzdem: Wir erfuhren eine wunderschöne, unberührte Natur mit Wildpferden, Schafen, Ziegen und Moschusochsen. Besonders gut gefiel uns die Kombination von Bergen und Meer, die unendlich vielen kristallklaren Seen, die ewig langen Fjorde, die eiskalte Nordsee und die hohen Gletscher. Die Vielfalt dieses Landes ist genial. Wir gingen viel wandern, zum Beispiel auch auf den bekannten Preikestolen. Wir badeten an den endlos langen Sandstränden im Süden von Norwegen in der Nordsee. Wir fuhren mit der Fähre über die Fjorde und machten eine Safari auf dem Gletscher. Außerdem besuchten wir Oslo und gingen in der Küstenstadt Bergen am Fischmarkt essen. Die Natur und die kleinen Örtchen beeindruckten uns jedoch wesentlich mehr, als die größeren oder bekannteren Städte.

Was gab es für schöne Situationen und was war vielleicht auch schwierig?
Schön waren auf jeden Fall die ganzen Wanderungen, das Erleben der Natur, das Schlafen und das gemütlich Beisammen sein im Bus.
Nicht gerade schwierig, aber ein wenig herausfordernd war das Essen. Wir hatten leider keinen funktionierenden Kühlschrank im Auto und Norwegen ist zum Essen gehen sehr teuer. Deswegen war ein bisschen Planung zwecks des Essens nötig. Wir gingen zweimal Essen und ansonsten oft einkaufen und kochten im Bus selber.
Für mich schwierig war die Toilettensituation. Da wir meistens Wildcampten gab es keine Toiletten und als Schwangere muss man ja auch nochmal öfter als sonst. Vor allem in der Nacht war es mir unangenehm aus dem Auto auszusteigen. Die ursprünglich 3- stündige Moschusochsensafari im Hjerkinn Nationalpark am Snøhetta Gletscher wurde zur 6 Stunden Wanderung und brachte mich an meine körperlichen Grenzen.

Hattet ihr manchmal Sorge ob ein Roadtrip während der Schwangerschaft das Richtige ist?
An einem Abend verbrannte ich mir die Hand, weil ich das Gitter unseres Gasgrills umfasste. Ich hatte die ganze Nacht so extreme Schmerzen und keine Salbe oder etwas zur Schmerzlinderung dabei. In dieser Nacht machte ich mir viele Gedanken, ob in der Wildnis zu campen, fern ab von jeglicher Zivilisation, als Schwangere das Richtige sei. Ab diesem Abend, habe ich regelmäßig auf google Maps geschaut, ob es irgendwo im nächsten Ort ein Krankenhaus gibt. Tobi versicherte mir zusätzlich, dass Norwegen ein fortschrittliches und gut vernetztes Land ist. Ein Krankenwagen oder im Gebirge ein Helikopter wäre hier schnellstens zur Stelle. Das beruhigte mich und gab mir Sicherheit. Zum Glück brauchte ich keines der gleichen und außer meiner verbrannten Hand und einem Bienenstich fehlte mir nichts.

Auch die, wie in der Frage 8 genannte, Safari lies mich zweifeln. Als nach 3 Stunden anstrengendem Hinweg immer noch keine Moschusochsen, wegen denen wir die Safari machten, zu sehen waren, beschloss unser Guide trotzdem immer weiter zu gehen. Ich erinnerte ihn erneut daran, dass ich im 6. Monat schwanger bin und nicht mehr allzu weit gehen kann. Sein Ehrgeiz einen Moschusochsen zu sehen war allerdings größer als seine Rücksichtnahme auf mich. So irrten wir drei weitere Stunden durch den Nationalpark bis wir am Ende doch noch die Ochsen sahen. Mir waren sie zu diesem Zeitpunkt allerdings völlig egal und ich bereute es, mich schwanger auf die Safari eingelassen zu haben. Am nächsten Tag ging mir es aber wieder besser und mit einer Nacht im Hotel waren die Strapazen fast vergessen.

Puuuh, nicht gerade einfach eine Wanderung mit Babybauch. (Foto: © Laura und Tobi)

Der aktuelle Familienalltag

Plant ihr in der nächsten Zeit weitere Roadtrips, diesmal zu dritt, mit Marla?
Geplant ist noch nichts, aber das heißt ja nichts! Mit Baby im Bus können wir uns gut vorstellen. Ein Urlaub kann spontan gestaltet werden, man spart sich das Fliegen und gemütlich ist es auch. Jetzt hoffen wir, dass die Corona-Krise bald vorbei geht und wir im Sommer in den Urlaub fahren können.

Euer Alltag mit Baby ist natürlich aufregend. Kommt ihr zwischendurch denn auch mal dazu, etwas nur für euch zu machen? Falls ja, was hilft euch dabei, eure Akkus wieder aufzuladen?
Im Moment nur sehr selten. Tobi schreibt gerade Masterarbeit und die Eltern aufpassen lassen ist auf Grund der aktuellen Gesundheitslage leider nicht möglich. Deswegen bleibt für uns Zwei allein nur wenig Zeit übrig. Wir versuchen dafür zu dritt die Zeit zu nutzen und viel spazieren zu gehen und lange im Bett liegen zu bleiben und zu kuscheln.

Nach euren Erfahrungen als frischgebackene Eltern: Könnt ihr momentan schon sagen, welches Möbelstück oder welche Spielware für Kinder dringend noch erfunden werden sollte?
Eine Art Hängematte/ Federwiege für Kinder, die man mitnehmen kann, wäre cool. Sie sollte schnell und leicht aufzubauen sein und in das Auto passen. Natürlich sollte sie sicher sein und am besten auch schon für Neugeborene geeignet sein. Ein Spielebogen oder die Babygym, wie wir eine haben, eignen sich super auch für noch kleinere Babys!

Was bedeutet „kleines großes Glück…“ für euch?
Für uns beide auf jeden Fall die Geburt an sich. Da ist das kleine große Glück zum ersten Mal sichtbar geworden. Für mich ging es vor allem ab der zweiten Woche daheim mit der Glückserfahrung richtig los. Seit diesem Zeitpunkt wächst das Glück für mein kleines Wesen jeden Tag.

Vielen Dank ihr beiden, für das tolle und ehrliche Interview! Wir wünschen euch und der kleinen Marla alles Gute 🙂 !

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Lisa

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