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Schwule Eltern: Papa und Papi sind Papapi

Schwule Eltern: Papa und Papi sind Papapi

Kevin von Papapi darüber, wie es ist, als schwules Paar ein Pflegekind aufzunehmen und über das kleine große Glück mit seinem Sohn

Fotos: © Papapi

Kevin und sein Mann wünschten sich sehnlichst ein Kind. Dann kam die erlösende Nachricht vom Jugendamt: Da ist ein Kind. Mittlerweile ist Timmy seit zweieinhalb Jahren bei Papa und Papi. Im Pinolino blog erzählt Kevin uns davon wie es ist, ein Dauerpflegekind zu haben, was es mit einem macht und wie das eigentlich so abläuft.

Lieber Kevin, schön, dass du bei uns im Pinolino blog zu Gast bist. Stell dich doch bitte einmal kurz vor: Wer bist und was machst du so?
Hallo. Ich heiße Kevin Silvergieter, bin Schauspieler, seit einem Jahr Blogger und habe, zusammen mit meinem Mann, seit zweieinhalb Jahren einen Pflegesohn. So als grobe Marschrichtung, wer hier schreibt.

Ihr habt einen “Pflege”-Sohn. Erzähl mal, wie ist Timmy zu euch gekommen und wann war das?
Am 3.9.2015 ist unser Sohn zu uns nach Hause gekommen. Klar, dass das nicht der Beginn unserer Geschichte war. Aber das ist der wichtigste Tag, wenn es um unsere „Familien-werdung“ geht. Vorher mussten wir uns beim Jugendamt bewerben, Seminare und ganz viel Papierkram erledigen und uns ganz schön vielen Fragen öffnen.
Unsere ganze Kennenlern-Geschichte zu schreiben, wäre etwas zu lange, dafür gibt es ja meinen Blog Papapi.

Kevin ist Papi, sein Mann Papa – die Unterscheidung seit wichtig, so Kevin.

Wie war das erste Treffen?
Aufregend. Überwältigend. Also ich kann gar keine Emotionen mehr benennen. Ich weiß generell nicht mehr so viel. Nur Fragmente. Unser erstes Treffen sollte eigentlich nur ein Beschnuppern werden. Schnell war klar, dass es offensichtlich mehr wird. Dem kleinen Mann steckte ein Stock in der Gießkanne. Mein Mann durfte helfen. Nach getaner Arbeit, zog er sich wieder zurück und wurde ganz bald von unserem Schluri neben sich auf den Holzrahmen des Sandkastens herbei geklopft. Das ist für mich so eine ganz wundervolle „Wir-werden-Familie“ Erinnerung.
Und nach kurzem Sandkuchen backen, war es das dann auch schon wieder. Ich hatte nicht mal Gelegenheit ihn zu beschnuppern. Aber eine Woche später wurde dann schon das erste richtige Treffen vereinbart. Und einen Monat und 10 Treffen später, war dann auch der 3.9.2015.

Was ist das Besondere an einem Dauerpflegekind – müsst ihr verschiedene Termine oder ähnliches wahrnehmen? Beschreib doch kurz, was das bedeutet.
Bei einer Dauerpflegefamilie, bleibt ein Kind, wie der Name schon sagt, generell auf Dauer. Generell, weil sich immer etwas ändern kann und das Elternrecht in Deutschland sehr hoch steht. Aber die Dauerpflege gibt es nun mal nicht ohne Grund. Also das Kind bleibt auf Dauer, bis zur Verselbstständigung, bei den Pflegeeltern. Es gibt regelmäßig Hilfeplangespräche. Termine, bei denen das Jugendamt, der gesetzliche Vormund, die Pflegeeltern sowie die leiblichen Eltern und das Kind eingeladen werden. In unserem Fall fand bisher immer ein Treffen ohne Eltern statt. Aber der Vater spielt hier sowieso keine Rolle. Noch nicht. Aber das ist ein anderes Thema.
Bei uns findet alle halbe Jahr ein solches Treffen statt, bei dem es um die Entwicklung und gezielte Förderung geht. Also was ist gerade wichtig, was braucht der Junge. Wir haben da ein sehr kompetentes Jugendamt, die immer nach unserer Meinung als Eltern fragen, da wir ja auch 24 Stunden mit dem Kind zusammen sind.
Gäbe es Umgangskontakt mit den leiblichen Eltern, müssten wir auch diese ermöglichen. Das ist das Recht der Eltern. Aber wir haben seit fast einem Jahr keine Treffen mehr gehabt.

Ein geborgenes Zuhause für Timmy.

Wie war es, Timmy abzuholen und zu euch nach Hause zu fahren, ihm ein Zuhause zu geben?
Das ist der „große Tag.“ Timmy sagt oft: „Papi, erzähl doch bitte die Geschichte vom großen Tag.“ Mehr braucht es eigentlich nicht. Ich bin sehr nah am Wasser gebaut und zeige meine Emotionen auch gerne. Beim Einbiegen in unsere Straße, musste ich bei den Worten „Hier ist unsere Straße“ schon schlucken. Dieses Gefühl war zauberhaft. Und das Wort muss man sich bitte ganz dolle sagen: ZAUBERHAFT. Damit man die Bedeutung des Wortes greifen kann. Es war wundervoll. Ein Wunder. In dem „nach Hause kommen“ steckt bis heute so viel Liebe.

Auf deinem Blog erzählst du auch, dass ihr euch mit Timmys Mutter trefft. Das stelle ich mir gar nicht so leicht vor…
Also wie oben gesagt, gibt es zurzeit keine Treffen. Aber die zwei Treffen, die wir hatten, waren für alle Beteiligten nicht leicht. Auch hinterher zu Hause nicht. Regelmäßige Kontakte wären sicherlich besser an der Stelle. Wenn Routine in den Prozess käme, unser Sohn die Chance hätte, eine Beziehung zu seiner Mutter aufzubauen. Aber ich kann leider niemanden dazu zwingen.

Wie geht es weiter bei euch, wollt ihr noch mehr Kinder aufnehmen?
Gute Frage! Wenn Du unseren Sohn fragst, würde er so etwas wie VIELE sagen. Also unser Sohn wünscht sich mindestens drei Geschwister. Und ich finde den Gedanken an eine wilde Horde hungriger Biester gleichzeitig erschreckend und unfassbar erfüllend. Das Bild von Lachen und Streiten, sich helfenden und sich zankenden Kindern, weckt sehr viel Wärme und Liebe in mir. Was sicher ist, ist dass mein Mann und ich, beide noch ein zweites Kind wollen. Ob, wann und wer, hängt von so vielen Faktoren ab. Wir haben unserem Jugendamt gesagt, dass wir sehr gerne ein zweites Kind hätten. Noch warten wir sehnsüchtig.

Was ist das Schöne am Eltern-Sein?
Zu lieben und geliebt zu werden. Und Bücher gemeinsam mit meinem Sohn lesen.

Wann ist es auch mal anstrengend?
Wenn ich müde bin. Und mein Sohn auch. Das ist eine schwierige Mischung.

Habt ihr ein Pinolino Lieblingsprodukt?
Ich liebe, nicht zuletzt weil ich Schauspieler bin, Rollenspiele. Und es gibt nichts Schöneres,  als mit seinen Kindern Rollenspiele zu spielen. Das geht zum Beispiel wunderbar mit einem Kaufladen. Und die werden auch nie out sein. Damit wird immer gespielt. Da bin ich mir ganz sicher.

Was bedeutet „kleines großes Glück…“ für dich bzw. euch?
Zeit zu haben, füreinander. Sich wahrzunehmen und sich Zeit zu nehmen. Gemeinsam. Da entstehen die einfachsten und schönsten Momente. Und man findet plötzlich Zeit, die kleinen Dinge zu sehen; der eigentliche Zauber des Lebens.

Lieber Kevin, vielen Dank für deine tolle Geschichte und alles Gute für euch weiterhin!

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Catharina

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