Mutter stillt baby, stillprobleme lösen, stillen start

So gelingt das Stillen!

So gelingt das Stillen!

Teil 1: Kleine große Glücksmomente für Mutter und Kind

Foto: © famveldman/ Fotolia

Wir hören es immer wieder: Stillen ist das Beste für unser Kind. Doch was, wenn der Start etwas holpriger ist als gedacht? Schnell häufen sich die Fragen und Unsicherheit macht sich breit. Caro und Catharina erzählen von ihren ganz privaten Still-Erlebnissen, wie es letztendlich noch für beide zum kleinen großen Glück wurde, und was sie ganz persönlich raten.

Caros Start:

Für mich stand von Anfang an fest, dass ich Maxi gern stillen möchte. Dass sich unser Start allerdings als so schwierig herausstellte und ich fast aufgegeben hätte, konnte ich mir vor der Geburt überhaupt nicht vorstellen. Sobald ich ihn in den Armen hielt, sagte die Schwester auch schon, ich solle ihn anlegen. Maxi schlief sofort am Busen ein. Interesse am Trinken? Null! Das zog sich auch über die ganze Nacht und den nächsten Tag. Als ich diverse Schwestern fragte, was ich denn nun machen solle und, dass ich Hilfe bräuchte, fühlte ich mich mit der Thematik völlig allein gelassen. „Das sei völlig normal“, „wird schon noch“, „einfach dran bleiben“ – waren die TOP 3 Antworten auf meine Fragen.

Als die zweite Nacht einbrach und Maxi noch nicht einmal mehr richtig aufzuwecken war, bestand ich darauf, gegen den Willen der Nachtschwester, ihm Pre-Milch geben zu lassen. Ich bin so froh, dass ich auf mein Bauchgefühl und nicht auf die anderen gehört habe. Es stellte sich nämlich heraus, dass Maxi bereits total unterzuckert war und durch eine sich ankündigende Gelbsucht gar keine Kraft hatte, lange genug wach zu sein, um das Trinken zu üben. Und da er also bei mir nicht saugte, passierte bei mir auch rein gar nichts.

Auch nach drei Tagen hatte ich keine Anzeichen von einem Milcheinschuss. Ich wurde ins sogenannte Stillzimmer gebracht. Dort stehen elektrische Milchpumpen, die bei mir dafür sorgen sollten den Milchfluss in die Gänge zu bekommen. Alle drei Stunden für 20 Minuten – auch nachts! Es war der reinste Horror, fand ich. Da ist eh schon alles neu, die Geburt ist gerade erst gewesen, Maxi musste wegen der immer schlimmer werdenden Gelbsucht in einen Brutkasten für eine Phototherapie und dann das! Ich war fix und fertig. Wir waren acht Tage im Krankenhaus. Außer mal einen Minitropfen, bekam ich durch das Pumpen immer noch nichts heraus. Maxi wurde weiterhin mit Milchpulver gefüttert. Ich bekam eine elektrische Pumpe mit nach Hause, sollte auch dort alle drei Stunden mit dem Prozedere weitermachen. Natürlich sollte ich Maxi auch immer wieder anlegen, aber der hatte keine Lust bei mir umsonst zu saugen.

Ich sagte mir: Ich mache das jetzt einen Monat mit. Wenn bis dahin nichts passiert, dann höre ich auf damit. Ich gebe zu, das Thema hat mir die Anfangszeit ganz schön vermiest. Es hat mich völlig gestresst. Was, du stillst nicht? Wieso das denn nicht? Solche Kommentare trafen mich direkt ins Herz. Auch wenn es wahrscheinlich nie böse gemeint war, empfand ich jede Bemerkung als anklagend, als ob ich völlig versagt hätte. Stillen ist doch schließlich das natürlichste der Welt! Und ich bekam es einfach nicht gebacken. Das Gefühl war mehr als deprimierend.

Nach drei Wochen griff ich zum Stillhut und siehe da, so langsam verstand Maxi, was er da an der Brust eigentlich soll. Aber ein wirklicher Milcheinschuss ließ immer noch auf sich warten. Ich riss mich zusammen und habe auch den zweiten Monat diesen Aufwand aus Anlegen, Abpumpen und Zufüttern veranstaltet. Und endlich! Nach knapp acht Wochen floss die Milch. Schon bald darauf konnte ich sogar die Hütchen weglassen. Ich war so froh und dankbar, dass ich endlich die Pumperei sein lassen konnte. Insgesamt habe ich Maxi dann noch vier Monate voll gestillt, bis er sechs Monate alt war.

Caros Fazit:

Wenn du es wirklich willst, gib nicht so schnell auf. Das Durchhalten lohnt sich! Höre aber immer auf dein Bauchgefühl. Und wenn es dir sagt, es ist Zeit aufzuhören, dann ist es ebenso richtig.

Catharinas Start:

Unser Stillstart war ebenso etwas unrund. Ich hatte mir im Vorhinein nicht allzu viele Gedanken gemacht, da ich das Thema einfach auf mich zukommen lassen wollte und mir eh nicht wirklich vorstellen konnte, was mich erwartet. Als Ella dann auf der Welt war und die Stationshebamme irgendwann sagte, ich solle sie nun zum ersten Mal anlegen, passierte… nichts. Das Kind schien nicht zu wissen, wie sie die Brustwarze richtig zu greifen bekommt. Also: Milchpumpe, um die Produktion in Gang zu setzen und mein Mann fütterte die Vormilch dann per Pipette. Am zweiten Tag, über 24 Stunden nach der Geburt: Kein Fortschritt. Ich hing weiter an der Milchpumpe. Erst am späten Abend kam eine ältere Schwester auf die Idee, mir Stillhütchen zu geben. Und siehe da: Plötzlich funktionierte alles. Ich konnte Ella entspannt alle paar Stunden stillen.

Wieder zuhause allerdings war meine Hebamme entsetzt und wollte, dass wir das Stillen sofort ohne Hütchen probierten. Ich war müde und gestresst, die Brüste taten vom Milcheinschuss höllisch weh und spannten, als sie vor mir kniete und versuchte, das Neugeborene dazu zu bewegen, ohne Hütchen an der Brust zu trinken. Ich merkte: Wir waren noch nicht soweit. Auch wenn mich selbst die Hütchen zeitweise sehr genervt haben (es sammelt sich ständig Milch drin, die dann rausfließt und ALLES einsaut), habe ich vier Wochen damit gestillt. Eines Tages saß ich entspannt auf der Couch, das Stillen war weitgehend eingespielt und ich dachte: Probieren wir es mal ohne. Und plötzlich funktionierte es. Einfach so. Tatsächlich setzte dann aber ein erneutes Phänomen ein: Mein Milchspendereflex war, bescheiden ausgedrückt, bombastisch. Tatsächlich kam ich mir wie eine Karikatur meiner selbst als stillende Mutter vor, da die Milch schon floß, bevor sich das Kind auch nur bemerkbar gemacht hat. Ohne Stilleinlagen ging gar nichts. Zum Glück hat sich aber auch das mit zunehmender Beikosteinführung weitgehend normalisiert.

Catharinas Fazit:

Nehmt Hilfe an, wenn ihr aber merkt, es klappt nicht, dann hört auf euer Bauchgefühl. Gut für den Start: Eine stillfreundliche Entbindungsklinik. Wir haben am Ende (dank Fläschchenverweigerung) fast elf Monate entspannt gestillt – ohne Schmerzen.

Pinolino Fazit:

Das Stillen ist so individuell wie jede Geburt und jedes Kind. Hätten wir weitere Mütter gefragt, wäre es wieder eine ganz andere Geschichte… vielleicht ohne Stillhütchen und Milchpumpe, dafür mit viel zu viel Milch und einem Kind, was stündlich trinken möchte. Dann braucht man nämlich gute Tipps, wie man den starken Milchfluss eindämpfen kann. Eins ist aber allen Müttern gemein: das Stillen bringt Glücksmomente und ganz innige Stunden für Mutter und Kind – „kleines großes Glück…“ eben!

Und was sagen die Expertinnen von Wir haben für euch nachgefragt.

Das ganze Interview mit Julia Afgan, 1. Vorsitzende La Leche Liga Deutschland e.V., folgt in Kürze hier auf dem Pinolino blog.

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