Vereinbarkeit Familie und Beruf

Über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Kind, Job, Familie, Freunde – und wir selbst?

Über den Mut zur unperfekten Lücke

Foto: © Catharina König

Wir wollen die perfekt erzogenen Kinder, eine ausgewogene und gesunde Ernährung für die Familie, ein schönes Zuhause und natürlich Erfolg im Beruf. Aber klappt das? Immer und sowieso? Catharina über ihre kleine unperfekte Lücke.

Ich habe mal nachgezählt. Es sind nur drei Jobs, wenn man einiges zusammenfasst: Ich bin Mutter (also auch Babysitterin und Erzieherin), ich habe meinen Job (aufgrund meiner Selbständigkeit derzeit ca. vier), und ich bin Haushälterin (Wäsche waschen, einkaufen, aufräumen, kochen). Gelegentlich würde ich es gerne mal zum Sport schaffen, bin aber eigentlich für mein Fitnessstudio nur eine Karteileiche. Und Freunde habe ich tatsächlich eine gute Handvoll, die ich fast regelmäßig sehe. Wir haben “nur” ein Kind. Und dennoch komme ich manchmal an meine Grenzen.
Und das, obwohl mein Mann und ich viel aufteilen: Er bringt unsere Tochter morgens in den Kindergarten, ich arbeite entweder von zuhause oder in einem Büro. Nachmittags zwischen 15 und 16 Uhr hole ich Ella aus der KiTa ab und verbringe den Nachmittag mit ihr. Oft gehen wir auf den Spielplatz, lesen zuhause Bücher und gehen ein paar Sachen einkaufen. Wenn der Papa von der Arbeit kommt, schmeißt sie sich ihm entgegen, zieht ihm die Schuhe aus und er wird in Beschlag genommen, um mit ihm Bücher zu lesen oder zu toben. Falls der Hunger nicht zu groß war und sie schon gegessen hat, essen wir dann zusammen. Meist freue ich mich über die Ruhe in der Küche und, dass ich in Ruhe schnippeln und kochen kann, während die beiden spielen oder lesen.

Danach macht einer von uns das Kind bettfertig, der andere liest im Anschluss die Gute-Nacht-Geschichte und wartet, bis sie eingeschlafen ist, während der andere etwas sauber macht und die Küche wieder auf Vordermann bringt. Oder, man setzt sich doch noch mal an den Rechner, weil noch dieses oder jenes fertig gemacht werden muss.
Hört sich eigentlich alles ganz easy an, wenn ich es so schreibe. Und ja, oft ist es auch alles machbar und läuft irgendwie. Aber halt auch vieles irgendwie nebeneinanderher. Und manchmal eben auch gar nicht. Es gibt Tage, da ist einfach der Wurm drin. Da muss auf den letzten Drücker noch was im Büro fertig gemacht werden, ich entdecke kurz vor Ladenschluss, dass wir kein Brot mehr haben oder das Kind ist krank, obwohl eine Datenabgabe für meinen Job bevorsteht. Es gilt noch für irgendwen ein Geburtstagsgeschenk zu besorgen, mein Mann ist auf Geschäftsreise und ich eigentlich mit meinen Freundinnen verabredet. Hatte ich erwähnt, dass ich eigentlich gerne mal wieder zum Sport gehen würde?

Das bringt mich manchmal mehr, manchmal weniger aus der Fassung. Dann wünsche ich mir sehnlichst einen guten Weg zu finden, alles unter einen Hut zu bringen. Die große Mär’ von der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und dem Selbst. Und für mich den Mut zur unperfekten Lücke zu entdecken. Denn den braucht es. Glaube ich. Und den Mut, zuzugeben, dass es gerade anstrengend ist und Nerven zehrend.

Und das geht nicht nur mir so. Laut einer Schätzung des Müttergenesungswerks leiden rund eine Million Frauen an Erschöpfungssyndrom und Burnout.

Wenn man äußern darf, dass Mutterschaft nicht nur die reinste Freude, sondern auch furchtbar anstrengend sein kann, schafft das Entlastung.Autorin und Mutter Annika Joeres im Interview mit der ZEIT

In Zeiten, in denen die Nächte aufgrund von Wachstumsschüben oder durchschießender Zähne sehr unruhig sind, ist mir manchmal nach einer ausgiebigen Dusche. Manchmal jedoch ist mir schon das Haare waschen morgens zu anstrengend und zu zeitaufwendig. Mit einer guten Portion Trockenshampoo und hochgeknoteten Haaren lässt sich auch ganz wunderbar der Tag verbringen, und sieht nebenbei auch noch gut aus. Und: Wir haben ein so genanntes Wurfzimmer. Unsere geräumige Abstellkammer sieht derzeit aus, als hätte eine Horde wildgewordener Gremlins gewütet. Ich bin froh, noch an den Staubsauger und den Wischeimer zu kommen. Meine Einmachgläser hab ich schon länger nicht mehr gesichtet.

Die Sozialpädagogin und Coach Felicitas Richter hat ein paar Tipps, wie Mütter gelassen und entspannt bleiben, unter anderem ist ihrer Ansicht nach ein gut organisierter Tagesablauf zwar hilfreich. “Besser: Den Tag planen, aber davon ausgehen, dass die Normalität in der Abweichung liegt. Schauen Sie, was gerade möglich ist – und entdecken Sie spontan Mini-Lücken. Das Kind spielt gerade ruhig im Kinderzimmer? Nutzen Sie die Zeit für eine Kleinigkeit, die Sie schon ewig erledigen wollten: einen Knopf annähen oder eine Schublade aufräumen. Das macht enorm zufrieden. Oder trinken Sie einfach eine Tasse Schokolade.”

In diesem Sinne: Ich hol’ mir jetzt erstmal einen Eiskaffee. Zähle bis zehn, atme ruhig ein und aus und dann werde ich versuchen, die Gremlins zu zähmen.

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