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„Das Härteste ist, die Kinder loszulassen, Stück für Stück“ – Interview mit berlinmittemom

„Das Härteste ist, die Kinder loszulassen, Stück für Stück“

Interview mit Anna Luz de León von Berlin Mitte Mom

Fotos: © Anna Luz de León

Anna Luz de León ist ein alter Hase unter den Elternbloggern. Wir haben mit der Berlinerin über das Kinder haben und das Bloggerdasein gesprochen. Außerdem verrät sie uns, wie es derzeit in den Kinderzimmern ihrer Kids aussieht und wie man drei Kinder in so unterschiedlichem Alter unter einen Hut bekommt.

Liebe Anna, wie schön, dass du in unserer Interviewreihe dabei bist! Dein Blog heißt Berlin Mitte Mom – bist du eine richtige Berlinerin?
Danke, ich bin sehr gerne heute bei euch auf dem Blog zu Gast. Und nein, ich bin keine echte Berlinerin, insofern, dass ich nicht hier geboren bin. Wenn es aber irgendetwas zählt, dass ich seit fünfzehn Jahren hier lebe, meine Kinder geborene Berliner*innen sind und wir alle die Stadt sehr lieben, dann doch, dann bin ich richtige Berlinerin.

Du hast drei Kinder und du schreibst so herrlich ehrlich darüber, wie es bei euch zugeht. Viel Schönes gibt es dabei von euch zu sehen, aber dein Post „Ausflug nach Mordor“ dürfte auch vielen Eltern aus der Seele gesprochen haben.
Ich schreibe am häufigsten über die schönen Seiten des Elternseins, einfach, weil ich es wirklich so empfinde: ich liebe das Leben mit meinen Kindern, auch wenn es wahnsinnig anstrengend ist. Aber manchmal muss man sich auch mal Luft machen. Und ich stelle immer wieder fest, wie gut das dann nicht nur mir tut, weil viele Mütter, die bei mir lesen, das natürlich aus eigener Erfahrung kennen.

Schuhe, Taschen, Handtücher und Spielzeug: Auch bei Anna und ihren Kids fliegt immer mal was rum. Warum einem da auch schon mal Hutschnur reißen kann, hat sie sehr sympathisch in dem Artikel „Ausflug nach Mordor“ beschrieben. (Foto: © Anna Luz de León)

Deine Kinder sind in unterschiedlichem Alter – wie bekommt ihr alle Bedürfnisse unter einen Hut?
Das ist, ehrlich gesagt, oft ganz schön schwierig. Und eigentlich ist das, was wir im Zusammenleben jeden Tag lernen und einüben, sowas wie Jonglieren: ich versuche, die Bälle in der Luft zu halten und für jede Drehung und Wendung aufmerksam zu sein, um nichts zu verpassen. Aber manchmal fallen sie dennoch. Ich habe mühsam gelernt, dass das nicht der Weltuntergang ist, sondern dass es vor allem darauf ankommt, gut aufeinander zu achten und sich gegenseitig zu vergeben, wenn die Aufmerksamkeit mal nicht zu 100% auf einem selber liegt. Wir funktionieren als Team, das ist das, was ich meinen Kindern immer wieder sage und versuche, ihnen vorzuleben: wir achten aufeinander, wir kümmern uns umeinander, wir sind am stärksten, wenn wir zusammenhalten.

Du bist fast schon ein „alter Hase“ unter den Elternbloggern. Wie kamst du dazu vor über fünf Jahren deinen Blog zu starten?
Als ich vor fünfeinhalb Jahren anfing Berlinmittemom zu schreiben, waren wir wenige in der deutschsprachigen Elternbloggerszene. Einige gab es schon, einige fingen gleichzeitig mit mir an, aber es war eine kleine Szene, in der fast jeder jeden kannte. Heute ist das ganz anders. Also ja, ich bin ein alter Hase. Das ist ein schönes Gefühl.
Als ich anfing, war mein Blog ein Zufallsprodukt, da ich gerade eigentlich an einem anderen Projekt arbeitete und die Kinder mich immer unterbrachen. Was ich dann mit ihnen erlebte, beschrieb ich auf Berlinmittemom. Dass sich das so schnell so verselbständigen und sogar zu einem Beruf werden würde, hätte ich mir damals nie träumen lassen.

Das Wichtigste ist, dass meine Leserinnen mich wiedererkennen, wenn sie bei mir lesenAnna Luz de León - Berlinmittemom

Beschreib mal, was für dich das Wichtigste am Bloggen ist und wonach du deine Themen auswählst.
Ich glaube, der große Unterschied zwischen den „alten Hasen“ und vielen, die heutzutage anfangen zu bloggen, liegt darin, dass wir damals anfingen, um zu schreiben, um vernetzt zu sein, um zu teilen, was wir erlebten – nicht, um schnell zu wachsen, viele Follower zu sammeln, Klicks zu generieren und Geld zu verdienen. Das macht bei vielen der guten großen Blogger die Qualität aus und darum bemühe ich mich jeden Tag, auch wenn ich seit einigen Jahren Geld mit dem Blog verdienen kann.
Ich wähle meine Themen in meinem Zusammenleben mit meinen Kindern, ich beschreibe, was uns bewegt, womit wir kämpfen, was uns gut tut, was wir schön finden, wie wir als Familie leben. Das kommt von mir. Das bin ich. Und das ist mir das Wichtigste: das meine Leserinnen mich wiedererkennen, wenn sie bei mir lesen. Dass sie den Faden wieder aufnehmen können, wenn sie mal länger nicht da waren. Dass sie immer wissen, wer ich bin. Und ich auch.

Wochenende und alle an einem Tisch: So ist es am gemütlichsten! (Foto: © Anna Luz de León)

Auf deinem Blog geht es auch um Schwierigkeiten bzw wichtige Themen, wie Aufklärung bei Teenagertöchtern und Trennungsangst von Kleinkindern – das hilft anderen Eltern in ähnlichen Situationen. Verstehst du dich auch als kleine Hilfe oder Ratgeber?
Ich weiß, dass viele meiner Leserinnen sich bei mir abgleichen. Sie kennen vieles von dem, was ich beschreibe, aus ihrem eigenen Erleben, aber sie fassen es nicht in derselben Art und Weise in Worte. Ich verstehe mich eher als diejenige, die die Dinge ausspricht und nachvollziehbar macht. Ist das eine Hilfe? Finden meine Leserinnen dadurch Rat? Vielleicht, und wenn es so ist, macht mich das froh. Aber es geht mir in erster Linie darum, Themen zu platzieren, die ich persönlich für wichtig halte und die vielleicht woanders nicht ganz so viel Aufmerksamkeit bekommen.

Was ist das Schönste am Mama-Sein?
Drei kleine Seelen begleiten zu dürfen, wie sie sich entfalten, wachsen, sich entwickeln, sich ausdrücken und diejenigen werden, die sie sein sollen und die sie von Anfang an waren. Das ist ein Wunder und ich bin so dankbar, dass ich das erleben darf.

Wann ist es auch mal hart?
Es ist hart, sich ständig zu sorgen. Es ist hart, immer die Verantwortung zu haben. Es ist hart, immer diejenige zu sein, die die Lösung haben muss und selbst keine Fragen stellt. Und es ist vielleicht das Härteste, zu lernen, die Kinder loszulassen, Stück für Stück.

Drei ist `ne Party! Annas Kinder sind in ganz unterschiedlichem Alter, verstehen sich aber trotzdem blenden! (Foto: © Anna Luz de León)

Wie sehen die Kinderzimmer bei euch aus und was war euch wichtig bei der Einrichtung?
Unser ganzes Haus und auch die Kinderzimmer sind nicht aus einem Guss entstanden, mit einem vorher ausgeklügelten Plan oder mit zueinander passend gekauften Möbeln und Farbkonzept. Es ist allmählich gewachsen – mit uns. Die Kinderzimmer sind alle drei sehr unterschiedlich und es finden sich dort die Lieblingsfarben der Kinder und natürlich auch die Spuren ihrer Persönlichkeiten. Bei meinem Sohn ist es kühl, blau und hellgrau mit ein bisschen rot, aufgeräumt und luftig. Bei der Großen ist alles im Umbruch, passend zu ihrem Alter. Gerade planen wir ihren Umzug in ein größeres Zimmer mit mehr Platz für ihre neuen Ideen. Und bei der Kleinsten ist alles noch in der schönen Spielzimmerzeit: viel Platz für Playmobil und Puppen, ein großer Teppich zum drauf liegen und Bücherlesen, Regale voller Lieblingsgeschichten.

Was bedeutet kleines großes Glück… für dich und euch als Familie?
Das große kleine Glück ist… wenn wir zusammen sind und unsere gemeinsame Zeit bewusst genießen. Dabei ist es ganz gleich, was wir tun, ob wir Momente im Alltag erleben oder Ausnahmezeit in den Ferien: die Hauptsache ist, dass wir zusammen sind. Wenn man einmal erfahren hat, wie es ist, sich von geliebten Menschen für immer zu verabschieden, lernt man, die Momente mit denjenigen auszukosten, mit denen man sein Leben teilen darf. Das ist eine Erfahrung, die wir alle fünf miteinander teilen. Und wenn uns das gelingt, im Augenblick zu sein, gemeinsam – dann ist alles richtig.

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